Mit jungen Mitstreitern ins nächste Jahrzehnt

Aktionswoche bietet jede Menge interessante
Programmpunkte

 

Zivilcourage Foto André Sicks

In Gevelsberg setzt man vom 05. bis 11. November wieder ein klares Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und
jedwede Form von Gewalt. Im Rahmen eines Pressegespräches stellte Bürgermeister Claus Jacobi, am 15. Oktober, gemeinsam mit zahlreichen Akteuren, das offizielle Programm für die 11. Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt vor.  
Foto: André Sicks

 

Gevelsberg: Nachdem man im vergangenen Jahr voller Stolz die zehnte „Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt“ ausgerichtet hatte, wollen die engagierten Bündnispartner auch im neuen Jahrzehnt Sorge dafür tragen, dass in Gevelsberg alle Menschen gleich welcher Nationalität, Herkunft oder Religion friedvoll und ohne jede Diskriminierung zusammen leben können. Und dafür wurde für den Zeitraum vom 05. bis 11. November 2018 (und darüber hinaus) „ein vielseitiges Programm auf die Beine gestellt, das von unterschiedlichen Akteuren getragen wird“ sagte Bürgermeister Claus Jacobi bei der offiziellem Vorstellung. Die Mischung aus Altbewährtem und neuen Thematiken spiegelt so eine Vielfalt wider, die die Bevölkerung aufs Neue ermutigen soll, gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Antisemitismus und jedwede Form von Gewalt aktiv zu werden.

Vielschichtiges Programm
Am 05. November wird es eine Lesung in der Stadtbücherei geben, bei der Firas Alshater sein neues Buch „Versteh einer die Deutschen – Firas erkundet ein merkwürdiges Land“ vorstellen wird. Nach dem großen Erfolg im Vorjahr, bei dem der seit fünf Jahren in Deutschland lebende syrische Flüchtling und YouTube-Star mit seinem Besteller „Ich komme auf Deutschland zu – ein Syrer über seine neue Heimat“ das Publikum begeisterte, hinterfragt er auch diesmal wieder rätselhafte Dinge des Lebens, die nicht einmal die Deutschen selber verstehen.

Dr. Heiner Sasse referiert am 7. November ab 18:30 Uhr über die Entstehung und Auswirkungen von Macht, Gewalt und entsprechenden Ideologien. Dabei wird er auch die psychologischen und gesellschaftlichen Hintergründe die damit verbunden sind, auf psychoanalytischer Basis unter Einbeziehung wichtiger Nachbardisziplinen vorstellen und besprechen.

Mehmet Daimagüler, Opferanwalt der Nebenklage im NSU-Prozess, thematisiert am 08. November um 19:00 Uhr im Café DIAlog der VHS die Fragen, ob der deutsche Sicherheitsapparat eine lückenlose Aufklärung der NSU-Mordserie verhindert hat, der Verfassungsschutz Verantwortung für die Verbrechen der Neonazis trägt und die Polizeibehörden jahrelang in eine falsche Richtung ermittelten, weil ihr Denken zum Teil rassistisch durchsetzt war. Mit seinem Buch „Empörung reicht nicht“ appelliert er daher auch an alle, Demokratie nicht für selbstverständlich zu nehmen, sondern sie gegen Hass und Extremismus zu verteidigen. Bereits ab 18:00 Uhr werden sich einige Akteure vom Aktionsbündnis Zivilcourage bei einem Markt der Möglichkeiten präsentieren und für Gespräche, Fragen und Anregungen zur Verfügung stehen.

Mit einer vielschichtigen Solo-Performance bringt die aus Ghana stammende Schauspielerin Gifty Wiafe, am 09. November um 19:30 Uhr im filmriss Kino den Perspektivwechsel Ghana/Deutschland, Deutschland/Ghana auf die Bühne. Sie paart dabei Humor, Herz und Hirn mit Tanz, Gesang und Erzählungen und. hält den Besuchern mit viel Augenzwinkern einen Spiegel vor.

Zum Abschluss der Aktionswoche wird die offizielle Gedenkveranstaltung zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 gegen Menschen jüdischen Glaubens, mit dem ehemaligen 1. Bevollmächtigten der IG Metall, Geschäftsstelle Gevelsberg-Hattingen, Otto König, als Hauptredner, am 11. November ab 11:00 Uhr auf dem Waldfriedhof stattfinden, wo vor 50 Jahren ein Gedenkstein für die Opfer des Faschismus aufgestellt wurde. Erstmalig möchte man an dieser Stelle ein deutliches Zeichen für die Gegenwart und Zukunft setzen, dass in Gevelsberg kein Platz für undemokratisches und menschenverachtendes Gedankengut ist. Dem aber nicht genug, auch nach Ende der regulären Aktionswoche wird es noch einige spannende Veranstaltungen geben.

Veranstaltungen auch über die Aktionswoche hinaus
So präsentiert der Gevelsberger Heimatverein, als neuer Bündnispartner, am 13. November um 19:00 Uhr in der Heimatstube eine Autorenlesung mit Dr. med. Reinhold Busch. In seinem jüngst veröffentlichten Buch, schildert er den Aufstieg zweier Brüder der jüdischen Familie Rosenthal zu stolzen Kaufhausbesitzern und geachteten Mitgliedern der Gesellschaft. Ihre 18 Kinder und deren Ehegatten gründen weitere Kaufhäuser, unter anderem auch in Gevelsberg, und Fabriken, bis die Machtergreifung Hitlers 1933 ihrem Streben ein Ende setzte.

Mit dem Programm „Wegweiser – gemeinsam gegen gewaltbereiten Salafismus“ unterstützt die Landesregierung NRW die Vorbeugung zur Radikalisierung von Jugendlichen. Mit einem öffentlichen Vortrag möchte die AWO Integrationsagentur EN allen interessierten Bürgern und Multiplikatoren dieses Programm am 15. November ab 15:00 Uhr in der AWO Geschäftsstelle einmal näher vorstellen.

Am 16. November wird zudem dann noch der palästinensisch-syrische Musiker Aeham Ahmad um 19:00 Uhr im Bürgerhaus Alte Johanneskirche zu Gast sein. Als „Pianist in den Trümmern“ erlangte er 2014/15 durch seine öffentlichen Auftritte im Flüchtlingslager Yarmouk – während des Bürgerkriegs in Syrien – internationale Bekanntheit.

Weiterführende Schulen engagieren sich
Natürlich werden auch in diesem Jahr zahlreiche Schulklassen in die „Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt” mit eingebunden. Egal ob sie an den „Statt-Rundfahrten“ teilnehmen, am Gymnasium den „Kindern des Widerstandes“ Gehör schenken, bei einer Theateraufführung dem dramatischen Protokoll einer Radikalisierung lauschen oder sich im Rahmen eines Kinoseminars zum Thema „Nationalsozialistische Filmpropaganda“ informieren, kommende Generationen sollten das Geschehene niemals vergessen. Auch wenn sie vielleicht oftmals verlauten lassen, dass dies doch alles vor ihrer Zeit passiert wäre. Doch gerade in der heutigen Zeit zeigt sich immer wieder, zeigen, dass der Sprung aus der Vergangenheit zur Gegenwart ein sehr geringer ist. Nur wer Zivilcourage zeigt, setzt sich für demokratische und freiheitliche Werte und gegen Diskriminierung, Ausgrenzung und Benachteiligung ein. Ein solches Verhalten beginnt
allerdings schon im Kleinen und betrifft alle Bereiche des Zusammenlebens, wie auch den Freundeskreis und die Schule. Während der Aktionswoche präsentieren daher Schülerinnen und Schüler der Städtischen Realschule Gevelsberg Sketche zum Thema Zivilcourage, um Grundschülerinnen und Grundschülern Verhaltens- und Handlungsmöglichkeiten für Situationen, die Zivilcourage verlangen, zu geben.

Die Gemeinschaftshauptschule Gevelsberg wird als Schule ohne Rassismus, erstmalig im Rahmen der Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt, ein Kreativprogramm anbieten, bei dem Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit bekommen, Buttons zu gestalten, in denen sich unter anderem das Logo der Aktionswoche, sowie das Logo „Schule ohne Rassismus“ wiederfinden. Außerdem können sie mit Fingerfarbe ein Plakat gestalten, bei dem sie mit ihrem persönlichen Handabdruck ein klares Statement gegen Rechts und für eine bunte Schule setzen.

Gefördert wird die „Aktionswoche für Zivilcourage und gegen rechte Gewalt“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie Leben!“ und zeigt, dass sämtliche Veranstaltungen aus der Mitte der Gesellschaft kommen und dass in Gevelsberg ein Klima an Offenheit herrscht.

André Sicks

 


 

 

 

 

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